Hans Koller-Preis: Jazz oder nicht Jazz?

Anlässlich der Nominierungen für den diesjährigen Hans Koller-Preis ergab sich ein interessanter Dialog, der hier in Auszügen wiedergegeben wird:

From: „austrian music office“
To: „Christoph Prisching“ […]
Subject: HKP 2005 – 1. Runde

Liebe Jurymitglieder,

herzlichen Dank für eure Nominierungen, es sind 3 äußerst interessante Listen zustande gekommen.

Vorab aber noch ein Amo-Kommentar zu den Nominierungen:
Fast alle Nominierungen entsprechen den Kriterien. Wir hatten lediglich ein Problem mit Karl Ritter
(Creativ-Rock) und dem Kollegium Kalksburg (Wienerlied) die dem Kriterium „Jazz“ nicht gerecht werden und haben deshalb diese zwei Vorschläge gestrichen.
[…]

Bis zur nächsten Runde
Liebe Grüße

Eva

Austrian Music Office (AMO)
[…]

Was mich zu folgender Antword verleitet hat:

From: „Christoph Prisching“
To: „austrian music office“
Subject: Kollegium Kalksburg & Karl Ritter

Also, bitte um entschuldigung, aber das argument, dass das KOLLEGIUM KALKSBURG, weil es WIENERLIEDER interpretiert, nicht nominiert werden kann, ist schon ein bisserl blöd. Ich mein, wir sind uns ja alle einig, dass z.b. ella fitzgerald ja auch keine schlagertante ist oder war, obwohl sie amerikanisches gassenhauer des 20. jahrhunderts gesungen hat. Und dass man heute im jazz jede x-beliebige melodie als ausgangsbasis für jazzmässige interpretation hernehmen kann (oder waren die variationen auf „am hermineli z’liab“ vom art orchester schweizer folklore?).
Bitte schön, die herren ditsch, skrepek und witzlsperger treten ja nicht nur in einschlägigen wiener jazzlokalen auf, sondern waren ja auch schon beim jazzfest wien, dem grabenfest und überhaupt bei den hütern der tradition der freien improvisierten musik, beim festival in nickelsdorf. Und wer das KOLLEGIUM KALKSBURG je live gesehen hat, kann bestätigen, dass ihre bühnenshow, präsenz und musik mehr vom art ensemble of chicago hat, als von, sagen wir mal herrmann leopoldi (sieht man eben von der musikalischen vorlage ab).

Ach ja, der herr KARL RITTER hat irgendwann einmal beim ostbahnkurti die stromgitarre gewürgt. Aber er arbeitet auch seit gut 12 jahren mit dem otto lechner zusammen, auch auf platten die sicher „jazz“ sind (z.b. seventh heaven, live im porgy und bess ). Aber ihn wegen einer platte wie „sel gapu mex“ als „CREATIV ROCKER“ (was ja schon als wort wirklich übel ist) einzuordnen, wäre bei seiner musikalischen vielfältigkeit doch wirklich zu kurz gegriffen, und zur diskussion steht ja auch die platte „ATMEN“ und nicht der typ, der schwarzfahrerfilmmusik gemacht hat, oder als dobroman die countryszene. Und die platte „ATMEN“ gehört für mich zum schönsten an sologitarrenmusik, was ich seit gismonti oder towner gehört hab.

Wer was besseres zu sagen hat, solls tun.

Mit der bitte um antwort,
herzlich
c

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